GzP Gasthof zur Post Frontenhausen

Umbau, Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Anwesens "Gasthof zur Post" - Frontenhausen

Info

Planung: 2016-2017
Bauzeit: 2018-2020
Bearbeiter: Eva Doblinger (Projektleitung), Sonja Barth, Claudio Aresta, Beate Häuser, Thomas Schmid
Ort: Frontenhausen, Lkr. Dingolfing-Landau
Leistungsphasen: 1 - 9
BGF: Bestand 2.430 m², Neubau Anbau 235 m², Neubau Stadel 149 m²
Kosten (KG 200-600): 6,3 Mio € brutto
Bauherr: Marktgemeinde Frontenhausen
Planung: aichner kazzer architekten PartGmbB
Künstlerische Oberleitung: aichner kazzer architekten PartGmbB
Bauleitung: wackerbauer & reitberger architekten
Restauratorische Befunduntersuchung: Josef Kreilinger, Restaurator
Brandschutzplanung: Kortüm Architekt Brandschutzplaner
Tragwerksplanung: Polster Beratende Ingenieure, mit IFB Eigenschenk (Rabitzgewölbe)
Elektroplanung: Planungsbüro Bertram, mit Planungsbüro Endl (Bühnen-/Medientechnik)
Haustechnikplanung: Ingenieurbüro Wolfgang Schultes, mit Gastro Lehner (Küchenplanung)
Freiflächenplanung: raum + zeit, Landschaftsarchitektur Stadtplanung
Bauphysik: IBN Bauphysik GmbH & Co. KG
Förderung: Dieses Projekt wird im Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“ und im Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ mit Mitteln des Bundes und des Freistaats Bayern gefördert.

Jugendstilsaal Balkon
Jugendstilsaal Balkon

Aufgabe

Das bis zuletzt leer stehende, denkmalgeschützte Anwesen "Gasthof zur Post" in der Ortsmitte wird im Auftrag der Marktgemeinde Frontenhausen grundlegend saniert und brandschutztechnisch ertüchtigt sowie um einen Technikanbau und einen hofseitigen Stadel erweitert.

Das Gebäude "Gasthof zur Post" wurde 1905 errichtet. Es weist innen und außen Stilelemente des Jugendstils auf und ist weitestgehend in seiner bauzeitlichen Substanz erhalten. Es ist deshalb als herausragendes Beispiel von hohem baugeschichtlichem Wert und als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) gelistet.

Das Gebäude wird als Gemeindezentrum mit einer Gaststätte im Erdgeschoss wieder in Betrieb genommen. Der Tanzsaal mit den ehemaligen Fremdenzimmern im 1. Obergeschoss wird als Veranstaltungssaal mit dazugehörigen Nebenräumen für Kulturereignisse genutzt werden. Die ehemaligen Fremdenzimmer im 2. Obergeschoss werden den örtlichen Vereinen als Treffpunkt zur Verfügung stehen.

Notwendigkeit der Maßnahme

Im Hauptgebäude lag ein allgemeiner Renovierungsstau vor. Dies betraf unter Anderem den Zustand der bauzeitlichen Fenster, der technischen Ausstattung und Sanitäranlagen sowie allgemein sämtliche Oberflächen der Türen, Böden, Wände und Decken. In einzelnen Bereichen lagen Wasserschäden oder Insektenfraß an den Holzkonstruktionen vor. Die stuckgegliederte Straßenfassade mit den darüber liegenden verputzten Dachgauben musste grundlegend überarbeitet und wieder aufgebaut werden.

Die Entfluchtung des Tanzsaales, in dem bis zu 400 Personen Platz finden können, war unzureichend, ebenso wie der gesamte Brandschutz im Gebäude.

Im Vorfeld der Baumaßnahme musste zunächst eine Trockenlegung der gesamten Mauerwerkswände im Erdgeschoss und eine umfassende Schadstoffsanierung (Asbest / KMF) durchgeführt werden.

Ansicht Straßenfassade
Ansicht Straßenfassade

Konzept

Der Betrieb der erdgeschossigen Gaststätte wird als solche wieder aufgenommen und dem heutigen technischen Standard angeglichen. Die Räumlichkeiten wurden zunächst von den nicht bauzeitlichen Einbauten und Oberflächen aus den 70-er Jahren befreit und auf den Rohbau zurückgebaut. Eine neue bayerische Gaststätte, angelehnt an die Erstnutzung und überlieferten Bilder und Pläne, entsteht.

Der ehemalige Laden wird zu einem Seminarbereich umgebaut, die Sanitäranlagen für die Gaststätte werden komplett rückgebaut und neu angelegt. Im alten Kühlraum (ehemals einziges Badezimmer des Gasthofes) werden die Umkleiden und Waschgelegenheiten / Dusche für das Personal der Gaststätte untergebracht.

Die Zugänge entlang der ehemaligen Durchfahrt werden für eine fußläufige Erschließung restrukturiert und als Gebäudeentrée denkmalgerecht wieder aufgebaut.

Die Nutzung als Gasthof mit Fremdenzimmern wird nicht weiter verfolgt. Stattdessen stehen nun die Räume im 2. Obergeschoss den ortsansässigen Vereinen zur Verfügung. Dafür werden jeweils zwei der ehemaligen Fremdenzimmer zu einem Vereinszimmer und somit zu einer sinnvollen und für diese Nutzung dienlichen Größe zusammengelegt.

Der Tanzsaal im 1. / 2. OG verbleibt in seiner ursprünglichen Nutzung und wird, zusätzlich zu den restauratorischen Maßnahmen, auf den heutigen Stand der Technik für einen Veranstaltungssaal gebracht. Als besondere Anforderung gilt hier die denkmalgerechte Einbindung der Veranstaltungs- und Lüftungs-/ Rauchabzugstechnik in den historischen Tanzsaal mit einer bauzeitlichen Rabitzgewölbedecke.

Die ehemaligen Fremdenzimmer im 1. Obergeschoss werden als Nebenräume für den Tanzsaal genutzt und dafür ertüchtigt. Auf selber Geschossebene werden darüber hinaus Sanitäranlagen inklusive einer barrierefreien Toilette in den Bestand integriert.

Die unzureichende Fluchtwegssituation des Bestandsgebäudes wird über ein neues Fluchttreppenhaus im Anbau (Neubau) und Bypasslösungen in den Fremdenzimmern entschärft.

Das Bestandsgebäude erhält über einen, auf der Gebäuderückseite, neu angebauten Personenaufzug eine barrierefreie Erschließung. Ein ganzheitliches Brandschutzkonzept wurde unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange und Möglichkeiten im Bestand in die Planung integriert. Zur Kompensation der bestehenden, in Teilen brandschutztechnisch unzulänglichen Rahmenbedingungen, wird unter Anderem eine Brandmeldeanlage mit Vollschutz installiert.

Der dem heutigen Nutzungsstandard entsprechende zusätzliche Raumbedarf für die allgemeine haustechnische Versorgung (Hausanschlussräume, Heizraum, BMZ), sowie im Besonderen für die Gaststätte (Technikräume Lüftung, Biergartenausschank, Personalräume) und den Tanzsaal (Lagerraum, Technikraum Lüftung) wird im Neubau untergebracht. Dieser ersetzt das bestehende, baufällige Nebengebäude an gleicher Stelle und beinhaltet auch das Fluchttreppenhaus für den 2. Fluchtweg aus dem Bestandsgebäude.

Das neue Gebäude wird als 2-geschossiger Massivbau mit einer vorgeblendeten Holzlatten- bzw.- Leisten-Deckel-Fassade ausgeführt.

Als räumliche Fassung des neuen Biergartens wird südseitig auch ein Stadel errichtet. Dieser bietet neben Lagerflächen / Müllraum / Garagen für Vereinsmaterial auch eine Freilichtbühne an. Diese Musikbühne orientiert sich zur Biergartenfläche und ergänzt das Veranstaltungsangebot im Sommer.

Der Stadel wird als Interimslösung in vorgefertigter Holzbauweise mit einer Holzlattenfassade errichtet und kann gegebenenfalls zu Gunsten eines späteren Veranstaltungssaalneubaus wieder abgetragen werden.

Wirtsstube
Wirtsstube
Jugendstilsupraporte
Jugendstilsupraporte
historischer Tanzsaal
historischer Tanzsaal
Strassenfassade Arbeitsstand
Strassenfassade Arbeitsstand
Strassenfassade Zustand vor Sanierung
Strassenfassade Zustand vor Sanierung
Supraporte Arbeitsstand
Supraporte Arbeitsstand
Denkmalbefunde_Supraporte
Denkmalbefunde_Supraporte
Bauarbeiten Dach- und Gaubensanierung 01
Bauarbeiten Dach- und Gaubensanierung 01
Bauarbeiten Dach- und Gaubensanierung 02
Bauarbeiten Dach- und Gaubensanierung 02
Bauarbeiten Rekonstruktion Dachgauben
Bauarbeiten Rekonstruktion Dachgauben
Restaurationsarbeiten Straßenfassade
Restaurationsarbeiten Straßenfassade
Restaurationsarbeiten Stuckaturen Straßenfassade Medaillon Baujahr 1905
Restaurationsarbeiten Stuckaturen Straßenfassade Medaillon Baujahr 1905
Restaurationsarbeiten Stuckdecken
Restaurationsarbeiten Stuckdecken
Restaurationsarbeiten_Stuckrosetten
Restaurationsarbeiten_Stuckrosetten
Lageplan mit Neubauten
Lageplan mit Neubauten
Ansicht Straßenfassade
Ansicht Straßenfassade
Ansicht Hoffassaden
Ansicht Hoffassaden
Ausstattung Neue Gasträume mit Wandvertäfelung
Ausstattung Neue Gasträume mit Wandvertäfelung
hIstorischer Tanzsaal mit mobiler Bühnenausstattung
hIstorischer Tanzsaal mit mobiler Bühnenausstattung
Auszug aus Farbkonzept
Auszug aus Farbkonzept